Aushilfsjedi

Wir sind mehr …

Ok, zugegeben, man muss schon beinah glücklich sein, dass die Menschen überhaupt mal aktiv werden gegen Rechtsradikale. Und doch sind Gratiskonzerte und Profilbildwechsel auf Facebook nur die Spitze des Eisbergs. Die Neonazis verschwinden ja deswegen nicht.

Tatsächlich ist das „Wir sind mehr“ Argument nur dann etwas wert, wenn man damit nicht nur ein eindeutiges Statement setzt, sondern auch etwas Positives erschafft.

Kleine Zwischenbemerkungen

1. Leider muss man im Zuge der Chemnitz Geschichte immer wieder eine Polemik auf 1990 und die DDR-Bürger lesen, die damals kamen. Dass man damit mal spontan 14 Millionen Menschen vor den Kopf stößt, um die heutigen rechten Trottel zu treffen, nimmt man damit in Kauf. Zumal man so tut als hätte man diese Menschen aufgenommen und alles für Sie finanziert.
Versöhnen statt Spalten wäre die bessere Idee. Glücklicherweise bemerken manche Kommentatoren diesen Fehler inzwischen und löschen ihre unsinnigen Ansagen.

2. Der Kampf gegen Rechtsradikale ist nicht nur der von Linksradikalen, sondern der Kampf aller anderen – das Gegenteil von Rechtsradikal ist Nichtsrechtsradikal!

3. Ja, sozialistische Revolutionen in Europa haben einen Hang zum Herbst und Winter. Wer aktuell allerdings im Kampf gegen Rechts nun meint, man muss aber ganz dringend auch beide Augen auf die Linksextremen richten, der überschätzt aktuell das Potenzial einer Kommunistischen Weltrevolution.

Zur Sache

Es ist selbstverständlich erfreulich, dass so viele Menschen sich so klar äußern gegen den rechten Mob. Das Problem ist allerdings, dass es für die Meisten dabei bleibt ihr Profilbild bei Facebook zu wechseln und auf Konzerte gegen Rechts zu gehen.

Was wir jedoch brauchen ist eine aktive politische Kultur gegen Rechts. Wir haben noch immer eine Innenpolitik, die auf dem rechten Auge nicht nur blind ist, sondern deren Personal sehenden Auges kollaboriert bzw. erwiesenermaßen mitmarschiert. Es gab mit dem Radikalenerlass ( kritisches Berufsverbot ) einst ein juristisches Werkzeug, dass man so nicht wieder haben möchte. Wir brauchen jedoch eine effiziente Lösung für eine funktionierende Exekutive oder im Notfall eine Abschaffung der dysfunktionalen Institutionen. Wenn sich nun Politiker oder sogar Bundesminister mit #wirsindmehr solidarisieren, dann bitte auch bekennen zu #wirsindbundesregierung und #wirtuneffektivetwasgegendenbraunenmobundnazistrukturen.

„Wir sind mehr“ müsste im Zuge von „alle Macht geht vom Volke aus“ auch als Druck gegenüber der Regierung geltend gemacht werden, dass da mehr geschieht. Naiverweise kann man natürlich glauben, dass mit Beate Zschäpe hinter Schwedischen Gardinen die letzte rechte Terroristin von der Straße ist. Die Strukturen, die diese Morde ermöglicht haben, existieren aber weiterhin. Und wer weiß welche Aktivitäten darauf zurückgehen.

Selbstverständlich bringt eine Mehrheit nichts, wenn die am Ende nicht auch die schlauere und aktivere Seite ist.

Und so sollte man beispielsweise den Medien, die man so konsumiert, auch mal klar kommunizieren, wenn die man wieder Unfug erzählen, Rechten den Teppich ausrollen und/oder Statistiken absichtlich falsch interpretieren. Medienkompetenz, gesunder Menschenverstand und eine gewisse Herzensbildung sind wünschenswert. Sonst bringt es gar nichts „wir sind mehr“ zu sein.

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