Aushilfsjedi

Return to the Havanna Lounge

Es war mal wieder Mittwoch. Alex, Phil und ich kamen aus dem Jugendhaus und irgendwie stand die Laune auf Clubbing. Mittwochs Clubbing mit Hiphop? Das hieß Dirty Daniela im Inner Rythm Club. Das zumindest hatten wir immer wieder auf den Flyern gelesen, die wir dann und wann auf Jams in die Finger bekamen.

Also gingen wir die paar Meter die Straße runter und rein in den Club. Erste Station: Bar. Ein Miller Genuine Draft. Das Bier gab dem Künstlernamen Nemi Miller damals den entscheidenden Schliff. Der Laden war mittelprächtig gefüllt, die Tanzfläche aber noch recht leer, also trollten wir uns in eine Ecke, legten unsere Jacken und Rucksäcke (ja es war noch die Zeit, in der man damit easy in einen Club am Mittwoch Abend rein kam) ab und chillten erstmal zu den dicken Beats die da aus den Boxen dröhnten.

Irgendwie passte die Stimmung und ich packte mein Notizbuch aus und schrieb 16 Zeilen, während Alex und Phil miteinander über die Damen am Rand der Tanzfläche philosophierten. Irgendwann standen weitere 16 Zeilen auf einer Seite. Ich war im Flow und schrieb noch eine Hook. Der Text handelte einfach von einem guten Lebensgefühl.

Als sich die Tanzfläche etwas füllte gesellten auch Alex und ich uns für eine erste Runde dorthin. Wir waren die einzigen Typen auf der Fläche und man sah uns den Spaß an. Irgendwann kam auch Phil für ein paar Minuten dazu. Drei tanzende Typen mit Spaß dabei? Das bedeutete schnell auch Blicke. Wir fielen auf!

Die Musik wechselte und wir zogen uns zurück. Nachdem das Bier alle war verabschiedete sich Phil und ließ Alex und mich zurück. Unsere Tanzaction war tatsächlich nicht unbemerkt geblieben und schon bald saßen unweit von uns zwei Mädels die aufmerksam zu uns rüber schauten. Da ich vergeben war, war mir das relativ egal, aber Alex war natürlich durchaus interessiert, etwas zu starten. Allerdings ging es erstmal nochmal an die Bar: Nachschub.

Als er zurückkam mit unseren Bieren hatte ich bereits wieder 16 Zeilen in mein Notizbuch geschrieben für einen anderen Song. Ich steckte mein Notizbuch ein und wir stießen an. „Schreibst du Texte?“, fragte auf einmal die blonde Dame, die etwas näher herangerückt war. „Ich versuch mein Bestes.“

Wir kamen so ins Gespräch und ich stellte ihr Alex vor, sie mir daraufhin ihre Freundin. Ich signalisierte durch Zurückhaltung im Gespräch mehr und mehr eindeutig, dass ich durchaus Spaß an diesem Abend hatte, allerdings nicht zu haben, während ich Alex in Position brachte. Irgendwann zog sich die Freundin zurück und Alex und die Blondine tanzten zusammen. Ich schreib weitere 32 Zeilen plus Hook und hatte einen zweiten Song fertig. Ein klassischer Hiphoptext mit Wortwitz und Spaß.

Auch ich schloß mich der Masse nochmal an und tanzte. Irgendwann signalisierten die Mädels Abflugbereitschaft und auch wir  mussten langsam aber sicher nach Hause. Wir brachten die beiden noch zu ihrem Auto und liefen dann selbst zur Bahn. Auf dem Weg entstand die Idee für einen weiteren Track über diesen Abend. Ein Text über Pimps, das Feiern als die Kings im Club und am Ende zumindest bei mir die Pointe eigentlich doch ganz harmlose nette Jungs zu sein (und vergeben).

Der nächste Tag kam und ich zeigte Alex meine fertigen Zeilen, die ich auf der Heimfahrt noch runter geschrieben hatte.  Er feierte den Text, war aber in Gedanken noch immer bei der Blondine vom Abend davor. Er überlegte, ob und wie er sie wieder sehen könnte. Ob die beiden wohl jeden Mittwoch da wären. Er hatte zudem ihren Namen vergessen, schließlich hatte er getrunken und sie ihn nur einmal gesagt. Ich verriet ihm wie sie hieß und fragte, warum er sie nicht einfach anruft und ein Date fürs Wochenende klar macht? Die Pointe war, er hatte nicht nur ihren Namen vergessen, sondern auch verpennt die Nummer klar zu machen.

Weil es jedoch das Schönste, was es auf der Welt gibt, ein guter Freund ist, hatte ich nicht nur den Namen parat, sondern hatte bereits frühzeitig am Abend die Nummern der beiden Damen notiert, wegen irgendwelcher musikalischen Kontakte, die die beiden hatten. Einem Date stand also nichts im Weg.

Zurückblickend muss ich gestehen, es wurde nicht wirklich etwas Langes aus der Geschichte zwischen Alex und der Blondine. Aber ich erinnere mich noch immer gerne zurück, an diesen Abend, an dem ich drei von vier Tracks meiner „Havanna Lounge EP“ geschrieben habe.

 

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