Aushilfsjedi

Haltung muss man sich leisten können.

Ich habe aus meiner Blogparade gegen Rassismus eine Menge gelernt. Wie man möglicherweise sieht, hat sich nicht eine einzige Person zu Wort gemeldet und tatsächlich einen Beitrag dafür eingereicht. Die Gründe dafür sind vielfältig und niemand ist dafür zu verurteilen, wenn er möglicherweise Angst vor Mob vor der Tür hatte. Ich bekam auch als Rückmeldung, dass man bereit gewesen wäre, wenn meine Reichweite größer wäre, als die eigene.
Der/die Nazi von nebenan feiert solche „Erfolge“ natürlich und sieht sich bestätigt. Aber Niederlagen helfen auch weiter.

Learnings?

Also kommen wir mal zum Lernprozess. Ich hatte eine Bloggerin, die über Sportprodukte schreibt, angefragt, ob sie in einem Beitrag über einen Running Schuh, einfach das Wort „Joggerin“ einflechten möchte, dann würde ich sie in meiner Blogparade featuren. Ihre Antwort war: „Nein“. Das entscheidende Argument:

„Zivilcourage zahlt mir nicht meine Miete!“ Sport- und Fitness-Bloggerin

Wir unterhielten uns dennoch freundlich und sie erklärte mir die Situation. Wer sich im Blog politisch oder gar gegen rechts äußert, steht damit zwar für Zivilcourage, aber eben direkt auch links. Das passt vielen KooperationspartnerInnen nicht ins Bild und bei der Auswahl an BloggerInnen im mittleren Reichweitensegment ist man da schnell draußen.

Ich habe mich darauf hin mit einem Blogger in Verbindung gesetzt, der sich durchaus politisch äußert und Geld verdient damit. Dessen Lösung: Wenn du mehrere Standbeine neben dem Bloggen hast, kannst du auch mal Stellung beziehen; Vorraussetzung dafür: Zeit und Raum. Dann sollte es allerdings tatsächlich ein etwas größerer Rahmen sein.

Er verwies mich aber noch weiter an einen Mitarbeiter einer Agentur für Bloggerkooperationen. Den fragte ich, wie seine Agentur mit BloggerInnen und Politik umgeht?

„Wir arbeiten grundsätzlich nicht mit Bloggern zusammen, die sich politisch in irgendeiner Richtung äussern.“ Bloggerrelations- Manager

Und was wäre wenn ein/e BloggerIn sich während einer laufenden Kooperation äußert? Dann wäre nach der Kooperation Feierabend! Man wolle einfach vermeiden, das Unternehmen mit irgendeiner Richtung von Politik in Verbindung gebracht werden.
Auf die Frage, wie sich das Ganze abgrenzen lässt, mit ökologischen Produkten und der Nähe zu Grüner Politik, meinte er, dass ist in der Tat ein Minenfeld. Wobei dort selten die BloggerInnen, die solche Produkte exzessiv vertreten oder gar vegan sind, für andere Unternehmen oder Produkte in Frage kämen. Wer seinen Tierschutzanspruch allerdings offen mit Banner und Link zur Tierschutzorganisation oder zu einer Partei verbindet, wäre auch raus.

Fazit

Wir lernen also: Das Politische ist privat und bleibt es hoffentlich. Zumindest bis du reich und berühmt bist und es dir leisten kannst. Oder du leistest es dir und bleibst eben unbekannt.

Ich hatte mir zu Beginn der Blogparade weniger resignative Ergebnisse gewünscht. Aber falls ihr demnächst seht, dass hier keine Haltung mehr steht, wisst ihr dann: ich bin auf dem Weg zum Ruhm!

P.S.: Ich respektiere den Wunsch der Gesprächspartner anonym zu bleiben.

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