Aushilfsjedi

Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten

Die gute Nachricht

Es wird auch in diesem Jahr eine Weihnachtsmail geben und zwar bereits Anfang Dezember. Der Grund ist ziemlich einfach: Ich schreibe jedes Jahr unter meine Weihnachtsmail „Happy Chanukka“, weil das achttägige jüdische Lichterfest auch meist im Dezember nahe der Weihnachtsfeiertage liegt. Dieses Jahr reichen die Feierlichkeiten vom 2. Dezember bis zum 10. Dezember 2018. Um also dem Gruß unter der Mail mal noch mehr Ernsthaftigkeit zu verleihen, wird die Mail eben früher erscheinen. Den amüsanten Nebeneffekt, dass rechtsverirrte Menschen mir nun vorwerfen, mich an Religionen anzupassen („Dann nenn deine Drecksmail doch gleich scheinheilig „Wintermail“, du Affe!“), gebe ich mal mit einem Verweis auf die Signatur der Mail und einem Schmunzeln zurück.

Die eher schlechte Nachricht

Und dann ist da noch diese eine eher schlechte Nachricht. Wie bereits hier angemerkt, ist der Drive etwas raus. Leider bleibt auch das Gegenmittel aus. Wer mich kennt, der weiß, ich kann nicht leben ohne zu Schreiben. Es ist eine Form der Therapie. Egal ob Gedichte, Kurzgeschichten, Glossen, Satire, Stücke, Blogtexte, Reden, Konzepte oder eben längere Texte – ich schreibe seit 1996 Dinge nieder. Und das werde ich auch weiterhin machen. Allerdings wohl vorerst nicht mehr in ein Blog.

Die Gründe dafür sind auch hier sehr einfach: Jeder Text ist immer auch Arbeit. Schreiben ist Handwerk. Das fängt beim kreativen Ideen sammeln an und geht über den Schreibprozess bis hin zu Korrekturrunden, bevor man dann auf „Veröffentlichen“ klickt. Im beruflichen Kontext wurde ich in den letzten Jahren immer wieder gut bezahlt dafür, genau das zutun. In Blogs war die „Bezahlung“ über all die Jahre schlicht die Aufmerksamkeit und das Feedback – es gab immer wieder nette Mails, spannende Kommentare und interessante Kontakte. Leider fehlt das positive Feedback (ja Hassmails gibt es immernoch) inzwischen so sehr, dass ich tatsächlich immer weniger Energie hierfür aufbringen möchte. Eine Echokammer braucht es nicht.

Wie gesagt, das Buchstaben zusammensetzen wird nicht aufhören. Es wird nur in anderen Projekten und Kanälen stattfinden. Das Blog hier wird auch weiterhin bestehen, allerdings werden die Texte in den Hintergrund und der Podcast (aktuell noch anderswo liegend) etwas prominenter in den Vordergrund rücken.

Wer weiß, vielleicht steige ich ja auch eines Tages wie ein Phönix aus der Blogasche und mach hieraus einen dieser durchkommerzialisierten Dauerwerbeblogs mit „Fünf ultimative Tipps für den kreativen Schreibprozess (sponsered by Marke X, Marke Y und Marke Z)“. Obendrein verrate ich das Pastarezept der Uroma des eingeheirateten, italienischen Onkels (Schon die benutzte Nudeln der Marke OPQ) und wo es in so mancher Stadt (Reise sponsered von Reiseveranstalter FGH und Hotel ÄÖÜ) das beste Schnitzel gibt. Das scheint in der Tat vielversprechender als schlaue, kreative Texte mit Aussage und Denkanstössen. Insbesondere Denken scheint eh eher so 20. Jahrhundert und bringt die Menschheit im 21. nicht mehr so arg viel weiter.

Aber bevor die dicke Frau singt, wird es auf alle Fälle noch die Weihnachtsmail 2018 geben und sicher auch eine 2019, 2020 und 2021.

 

 

 

2 Kommentare

  1. Leider braucht es auch für das positive Feedback immer etwas mehr Hirnschmalz als für ein Klick auf das Gefällt-Mir-Sternchen, zumindest ist das bei mir meist der Grund, nicht zu kommentieren. Viele Blogs hätten viel mehr Kommentare verdient.
    Ich befürchte aber, dass Du im Trend liegst, auf vielen von mir gern gelesenen Blogs machen sich neue Beiträge rar oder werden sie einfallsloser oder standardisierter. Neue für mich lesenswerte Blogs habe ich schon lange nicht mehr entdeckt. Und selbst schreibe ich auch weniger und leider zuletzt auch weniger gehaltvoll.
    Ich mag Deine Podcasts zwar auch, aber es ist einfach nicht mein Medium. Gelegenheiten zum Hören habe ich zu selten und meistens ist es mir zu umständlich. Aber ganz tot ist es hier ja noch nicht und sobald Du im WP-Reader wieder auftauchst, komme ich gerne auf ein paar Buchstaben vorbei..

    1. Tatsächlich hast du Recht mit der „Hirnschmalz“-Aussage. Allerdings gibt es auch Posts, die für einen Kommentar relativ niedrige Einstiegshürden hatten. Und es sind ja nicht zwingend nur die Kommentare, die abgenommen haben (bzw. teils verschwanden). In der Tat gäbe es von der Fortsetzungsgeschichte längst einen zweiten oder dritten Teil, wenn es dazu Feedback gegeben hätte. Kurze Kapitel für ein größeres Projekt sind allerdings reizvoller als kurze Episoden für eine Echokammer. Vielleicht hab ich eben echt den Moment verpasst, in dem ich dringend bezahlte Werbung für irgendwas hätte machen sollen. 🙂 „Dieser kritische Gedanke wird ihnen präsentiert von ….“

      Was das Podcast-Thema angeht, gibt es meine Folgen ja längst auf iTunes und fyyd (folglich in jedem Podcatcher) und inzwischen auch auf Spotify. So dass man das bequem auch mal beim Autofahren und/oder bei der Hausarbeit akkustisch wegsnacken kann. Vielleicht mache ich es ja eines Tage noch wie Seppo und lese einfach meine Kurzgeschichten als Audioblog ein 😀

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