Aushilfsjedi

Es werde Weihnachtsmail

Wenn nächste Woche die Weihnachtsmail 2017 erscheint, wird die Tradition volljährig. Ich könnte hier als kleine Erinnerung an 18 tolle Jahre nun die letzten 17 Mails posten, auf dass jeder selbst den Niedergang betrachten kann. Oder aber ich erzähle es einfach kurz aus meiner subjektiven Sicht und setze es in den Kontext von Leserfeedback, das mich im Laufe der Jahre erreichte.

Die erste Mail

“Weihnachten, das Fest des Hasses“ war der Titel der ersten Mail damals im Jahr 2000. Es war die satirische Forderung, das Fest der Liebe, dem 364 Tage Hass und Gewalt entgegen stehen, in ein Fest des Hasses und der Gewalt umzuwandeln, dem 364 Tage Liebe gegenüber stehen. Die Mail traf auf reges Interesse und große Begeisterung und ging für damalige Verhältnisse ganz gut viral ab. Das Online-Satire-Magazin, für das ich den Text damals schrieb, vervielfachte seine Leserschaft dadurch.

Die Folgejahre

In den Folgejahren erschienen weitere Satire-Weihnachtsmails. Die eine besser und gemeiner, die andere schwächer oder gar zu sehr um die Ecke gedacht. Das Leserfeedback war jeweils herrlich ehrlich. Das Niveau des Erstschlags erreichte natürlich kein Text mehr. Aber immer wenn ich in einem Jahr zweifelte und überlegte, es einfach sein zu lassen, kam irgendwann die Frage, wann die Mail denn dieses Jahr käme und ob ich teils schon einen Vorgeschmack geben könnte. Entsprechend unterschiedlich entstanden die Texte dann auch terminlich. Manchmal erst am 24.12. selbst. Aber pünktlich zum Heiligabend grüßte dann immer, der Eure bis die Hölle gefriert.

Der Umschwung

Mit der Zeit war dann jedes Klischee ausgetreten, jeder verbale Eiertritt vollzogen und jeder beteiligte Scheinheilige entlarvt. Mit der entsprechenden Erkenntnis darüber und dem klaren Bewusstsein, sowieso nie wieder das Original zu toppen, ging es daran die Tradition der Mail am Leben zu erhalten, aber eine andere Ausrichtung zu wählen.

Geholfen hat mir dabei vor allem das Buch “The Atheists Guide to Christmas“ in dem unterschiedliche Autoren einen komplett verschiedenen Blickwinkel auf Weihnachten werfen und das Fest trotz seiner Fehlerhaftigkeit oder gerade darum ausgiebig zelebrieren. Ein absolut lohnendes Geschenk. Ebenfalls positiv wirkte sich aus, dass die Familie meiner Freundin Weihnachten ganz speziell feiert, ohne den ganzen Glaubensklimbim.

Schließlich wurde aus der Satiremail zu Weihnachten, die Menschen teilten, weil sie lustig und böse unterhaltsam war, das was sie heute ist: eine positiv gestimmte, frohe Botschaft zum Fest, eine Wohlfühlkolumne zum Wintergeschenkefest.

Weniger Reichweite für Nächstenliebe

Wurde der erste Text wahrscheinlich weit über 10 000 mal gelesen, lesen das heuer zum Feste wohl keine 200 mehr. Die Leute teilen eben selbst jetzt zum Fest der Liebe lieber Hass und Spott als Freundlichkeit und Nächstenliebe. Aber ich habe mich daran gewöhnt und mich damit arrangiert, den wenigen Menschen etwas Positives zu schenken, die es schätzen. Den nicht jedes Lachen muss einem bitterbösen Scherz entspringen; manchmal darf es auch ein zufriedenes Lächeln sein, weil man sich einfach glücklich und rundum wohl fühlt.

Weihnachten als Nischenthema

Den potentiellen christlichen Leser stört die fehlende Religion dahinter, dem potentiellen atheistischen Leser fehlt für die Begeisterung der hämische Unterhaltungsfaktor. Die Botschaft: “Seid nett zueinander“ wird zum Thema für eine Nischenzielgruppe: intelligente, tolerante Menschen ohne Scheuklappen.

Was es noch zu sagen gibt

Aber nach all den Jahren freue ich mich auch heuer wieder auf den Moment, wenn sie online geht. Es gehört für mich inzwischen zum Fest dazu. Noch immer ist einer der häufigsten Suchbegriffe, die auf dieses Blog führen “Weihnachtsmail“. Es gibt sogar Leser, die kommen jedes Jahr nur wegen diesem einen Text. Zu keinem Thema erhalte ich zudem mehr Mails.

Natürlich wurde ich bereits gefragt, ob es eine geben wird und ob sie gut wird? Die Antwort lautet: Ja, während du dies hier liest, ist sie bereits fertig und ich bin hochzufrieden.

Ich möchte auch die Gelegenheit nutzen und Danke sagen, an alle die mich Jahr für Jahr fragen, ob es eine gibt und diese Mail sehnsüchtig erwarten, lesen und feiern. Und insbesondere allen danken, die diese Mail dann weitertragen und ihren Mitmenschen eine Freude machen.

Habt ihr auch eine Weihnachtstradition für euch allein?

 

 

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